Rohrwalzen vs. Rohrfixieren: Wo liegt der Unterschied? Wann ist welcher Prozessschritt sinnvoll?

Fixieren und Walzen sind beides Verfahren, mit denen Rohre in der Bohrung des Rohrbodens aufgeweitet werden. Beide Verfahren werden in Herstellung von Rohr-zu-Rohrboden-Verbindungen eingesetzt – erfüllen dabei aber unterschiedliche Aufgaben und sind in der Regel nicht austauschbar. Wer beide Verfahren verwechselt, riskiert Schweißfehler wie Porenbildung und Rohr-zu-Rohrboden-Verbindungen, die nicht den Anforderungen entsprechen.

Dieser Beitrag zeigt den technischen Unterschied im direkten Vergleich.

Was ist Fixieren?

Das Fixieren eines Rohres ist wesentlicher Bestandteil der Schweißvorbereitung. Beim Fixieren wird das Rohr ringförmig genau an der zu schweißenden Position aufgeweitet und dadurch zentrisch und spaltfrei in der Bohrung positioniert. Der Arbeitsschritt erfolgt immer vor dem Schweißen und betrifft ausschließlich die spätere Schweißposition – nicht den gesamten Rohr-Rohrboden-Kontakt. Die zentrische Positionierung ist die zwingende Voraussetzung, um beim Orbitalschweißen reproduzierbare Schweißnähte ohne Poren und Bindefehler zu erzielen.

Was ist Walzen?

Das Rohreinwalzen ist ein wesentlicher Arbeitsschritt der Herstellung von Rohr-zu-Rohrboden-Verbindungen. Beim Walzen wird das Rohr über eine definierte Walzbreite aufgeweitet – deutlich mehr als nur an einer einzelnen Position. Walzen erfolgt in der Regel nach dem Schweißen. Der Zweck: Der Spalt zwischen Rohr und Rohrboden wird über die gesamte Walzbreite geschlossen, um Korrosion an der Schweißnaht zu verhindern und eine kraftschlüssige Verbindung zu erzeugen.

Unterschied zwischen Rohrwalzen und Rohrfixieren

Quelle: TECHNODATA-Katalog 2025, S. 5

Fixieren vs. Walzen im direkten Vergleich

Fixieren vs. Walzen im direkten Vergleich

Warum Walzen als Schweißvorbereitung in der Regel nicht geeignet ist

Der entscheidende Unterschied liegt im Aufweitbereich: Beim Einwalzen wird der Spalt zwischen Rohr und Bohrung entlang der gesamten Walzbreite geschlossen. Weder Schweißgas noch eventuelle Verschmutzungen können dadurch entlang des Rohres entweichen. Sie werden vor dem Lichtbogen hergetrieben, bis sie sich im letzten Bereich des 360°-Schweißzyklus stauen – die Schweißnaht wird verunreinigt, Porenbildung ist die Folge.

Bei fixierten Rohren tritt dieser Effekt nicht auf: Die ringförmige Fixierung wird während des Schweißvorgangs aufgeschmolzen, sodass Gas und Verschmutzungen über den gesamten Schweißzyklus hinweg nach hinten abfließen können. Fixieren ist damit gezielt auf die Anforderungen des Schweißvorgangs ausgelegt – Walzen auf die dauerhafte, kraftschlüssige Verbindung danach.

Zwei Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei Kehlnaht-Schweißungen ohne Fase bleibt der Gasabfluss auch nach dem Walzen frei – hier ist ein Walzen der Rohre bereits vor dem Schweißen möglich. Bei hochreaktiven Refraktärmetallen wie Titan gilt dagegen das Gegenteil: Oberhalb von rund 400 °C reagieren diese Werkstoffe extrem gierig mit Luftgasen wie Sauerstoff und Stickstoff und verspröden sofort. Deshalb ist beim Schweißen von Titan eine vollständige Gasabdeckung des Schweißbereichs entscheidend. Der durch das Dichtwalzen erzeugte Nullspalt im Rohrboden verhindert zuverlässig, dass Luftsauerstoff von der ungeschützten Rückseite in das Schmelzbad gesaugt wird. Ein nachträgliches Walzen nach dem Schweißen würde die spröde Wärmeeinflusszone sofort zerstören – bei Titan ist Dichtwalzen vor dem Schweißen deshalb nicht nur zulässig, sondern empfohlen.


Fazit

Fixieren und Walzen schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich in der Rohr-zu-Rohrboden-Verbindung – nur eben zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Zielsetzung. Für die Schweißvorbereitung führt technisch kein Weg am Fixieren vorbei. Das Rohrfixiergerät TES 97 übernimmt diesen Arbeitsschritt in ein bis zwei Sekunden. Für das anschließende, spaltschließende Walzen stehen Rohrwalzen in verschiedenen Ausführungen, angetrieben durch elektrische oder pneumatische Rohreinwalztechnik, zur Verfügung.


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